Nachdem die letzte Gesamtsanierung des Karl-Marx-Hofes in den 1980er und Anfang der 1990er Jahre erfolgte, werden nun unter der künstlerischen Oberleitung von BWM Architekten in einer Arbeitsgemeinschaft mit Werkstatt Wien und der Kanzlei Stingl 2006-2015 wieder sukzessive alle Oberflächen saniert, das Dach erneuert, sowie allgemeine Instandhaltungsmaßnahmen gesetzt. Ziel bei den gestalterischen Eingriffen ist es, den Originalzustand des unter Denkmalschutz stehenden Bauwerks soweit wie möglich wiederherzustellen, die Sanierung möglichst „unsichtbar“ auszuführen und korrespondierend zu den alten Handwerkstechniken zu arbeiten.

Unter Rücksprache mit dem Denkmalamt werden durch Farbproben die Ursprungsfarben der Fassade rekonstruiert, für die eisenoxydrot, blau, drei verschiedene Ockertöne sowie weiß verwendet wurden. Von den verschiedenen, zum Teil sehr markanten Metallobjekten, wie Kandelaber, Gitter, Hoftore, Fahnenmasten oder Anschlagtafeln, die wesentlich für das Gesamtbild des Karl-Marx-Hofes sind, werden Proben genommen um eine exakte Farbbestimmung zu gewinnen. Zusätzlich umfasst die Farbpalette ein Spektrum von drei Ockertönen sowie weiß. Die Renovierungsarbeiten werden durch eine Reihe von Recherchen unterstützt, die auf einer zunehmenden Sensibilisierung für baugeschichtliche Details für Bauten aus den 1930er Jahren resultieren. Aufgrund dieser Untersuchungen können originelle Spenglerdetails der Dachgaupen wieder nachgefertigt oder die Arbeitsweise beim Betonverputz der Sockelzonen rekonstruiert werden.

In den vier begrünten Innenhöfen werden zudem neue Geräteschuppen und Abstellplätze geschaffen. In den Mietwohnungen selbst sollen dort, wo bei früheren Sanierungen Kunststofffenster eingebaut worden sind, diese wieder gegen die Holzrahmenfenster in den originalen Proportionen ausgetauscht werden. Neben der Rückführung in den Originalzustand und einer Homogenisierung des Gesamtbildes wird auch darauf geachtet, den Alterswert beizubehalten. Bereits historisch gewordene Mängel und Spuren der Geschichte, wie die Einschusslöcher des Februaraufstandes von 1934 bleiben auch nach der Renovierung sichtbar.

Fertigstellung: Sommer/Herbst 2015

 

 

 

 

 

Datum

September 2015

Auftraggeber

Wiener Wohnen

Projektbeteiligte

Arbeitsgemeinschaft mit Werkstatt Wien und Kanzlei Stingl

© Fotos: Christoph Panzer

BWM Team

Gerhard Girsch