Die zweiteilige Studie ist eine Untersuchung zur Bedeutung der historischen Fenster im Stadtbild. Auf Basis einer vergleichenden Zusammenstellung technischer und wirtschaft- licher Daten und Fakten von neuen und historischen Fenstern – in erster Linie Kastenfenster - zeigt, sich, dass die tatsächliche Sachlage nicht mit den allgemein und weithin verbreiteten Annahmen und Vorurteilen übereinstimmt. Die Studie dient schließlich dazu, das Bild vom historischen Fenster zu korrigieren, dem Trend zum Fenstertausch entgegenzuwirken - auch als entsprechende Argumentationshilfe für die entscheidenden Behörden.

Bedeutung des Fensters für das Stadtbild

In der vergleichenden Untersuchung zeigt sich, dass das Fenster für das Erscheinungsbild von Gebäuden in der Stadt von enormer Bedeutung ist. Das Fenster ist in den meisten Fällen wesentlicher Bestandteil der architektonischen bzw. gestalterischen Konzeption. Je weniger Dekoration und Gestaltung eine Fassade aufweist umso größer wird die Wichtigkeit des Fensters für das Erscheinungsbild.

Veränderung des Erscheinungsbildes von Fenstern

Das neue vereinfachte Isolierglas-Fenster weicht in fast allen Fällen beträchtlich vom Erscheinungsbild des historischen (Original-)Kastenfensters ab. Die Lage 
des Fensters in der Leibung ist ganz anders, die Dimension von Glasflächen ist verringert und die der Rahmenteile vergrößert, ganz abgesehen von Farb- und Materialabweichungen. 
Nach einem Jahrhunderte langen Zeitraum gleich bleibender Technologien und handwerklicher Fähigkeiten kam es ab ca. 1950 durch die Einführung von Kunststoff-, Metall- und von Isolierglas-Fenstern zu einer starken technologischen Veränderung des Bauteils Fenster und damit auch zu einer massiven Veränderung des Erscheinungsbildes.

Auswirkungen auf das Stadtbild

In der Gesamtschau ist festzustellen, dass etwa 60% der originalen Fenster in
 Wien bereits verloren gegangen sind. Setzt man also voraus, dass das Fenster von wesentlicher Bedeutung für das Erscheinungsbild eines Gebäudes ist, so kann man bereits jetzt von einer schwerwiegenden Veränderung des Wiener Stadtbildes sprechen.
 Die dramatische Entwicklung, die zum Verlust der historischen Substanz führt, ist also ein Resultat der letzten Jahrzehnte. Noch immer wird dem Bauteil Fenster in Wien nicht die Aufmerksamkeit geschenkt, die er verdienen würde.

 

 

 

Datum

September 2006

Auftraggeber

Gemeinde Wien/MA 19 seit 1998

Projektbeteiligte

In Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Kupf, Jan Tabor, Dr. Barbara Feller und Dr. Michael Barnert

BWM Team

Erich Bernard, Liz Zimmermann