Städtebauliche Entwurfsidee
Das Wettbewerbsgebiet befindet sich östlich vom Dresdner Stadtzentrum, geprägt von Gewerbe und Wohnnutzungen. Der zukünftige Wissenschaftsstandort Dresden Ost wird den Charakter des Gebiets nachhaltig transformieren. Als erster Stadtbaustein soll nun die neue Wohnbebauung an der Reicker Straße einen wesentlichen Impuls geben, mit dem Ziel, ein urbanes und maßstabbildendes Projekt mit hoher Integrität zu entwickeln.

Der von uns vorgeschlagene Entwurf ist eine Interpretation und Weiterentwicklung der charakteristischen Dresdner Bebauungsstruktur der Würfelhäuser, eingebettet in großzügige Grünräume. Weiters soll das neue Grätzl, als sozialräumliche und alltagsweltliche Kategorie, den Hagedornplatz und die Reicker Straße mit urbanen Qualitäten aufladen. Der Charakter der Reicker Straße soll hier nicht mehr hauptsächlich eine Aus- und Einfahrtstraße sein, sondern eine eigenständige, gute Adresse; vom Zubringer zum Standort! 
Dazu bedienen wir uns folgender Strukturelemente: 

Stadtkante
Entlang der Reicker Straße und des Hagedornplatzes bilden versetzte Häuser, die über private Freiräume miteinander verbunden werden, eine klare Stadtkante. Sie schützt die innenliegende Wohnlandschaft und repräsentiert das Quartier nach außen. Vorgärten mit Großgrün filtern zusätzlich Staub und Lärm. 

Große & kleine Punkte
Innerhalb der Stadtkante strukturieren große und kleine Punkte die Gartenlandschaft; große Punkte sind Mehrfamilienhäuser die über Erschießungszonen verbunden werden, kleine Punkte sind Balkone, Baumhäuser, Bäume, Spielmöglichkeiten. Die Häuser rahmen die Freiräume, es entstehen sehr differenzierte Außenräume mit unterschiedlicher Graduierung der Privatheit und Gemeinschaftlichkeit. Ein hainartiges Gehölzmuster wirkt raumverbindend und ist milieubestimmend.

Architektonische Entwurfsidee
Die gekoppelte Punkttypologie ermöglicht es, dass der überwiegende Teil der Wohnungen beidseitig orientiert ist. Die Häuser unterscheiden sich in der Materialität und in der Freiraumtypologie. 

Die Häuser der Stadtkante sind härter, deren private Freiräume introvertierter. Die strenge Gliederung der Backsteinfassade wird mit grazilen Brüstungen und Fensterlaibungen kontrastiert.

Die Häuser im Garten, große & kleine Punkte, sind weicher und die privaten Freiräume offener, Balkone und Baumhäuser verknüpfen die Gartenlandschaft und erinnern an Wiener Pawlatschen. Die Balkone sind aus unterschiedlichen Materialien, Holz wird sowohl als Landschafts- als auch als Architekturmaterial eingesetzt. Die Gliederung der Fassaden ist frei und spielerisch, allerdings mit seriellen Elementen.

Nutzungskonzept und Raumprogramm
Die Erdgeschosszone ist zum Hagedornplatz und zur Reicker Straße mit öffentlicher bzw. gewerblicher Nutzung belegt. Am Hagedornplatz dient ein Café als urbaner Treffpunkt. Zum Garten orientiert sind Wohnungen, die bei Bedarf mit den Arbeitsbereichen zur Reicker Straße verbunden werden, aber auch separat genutzt werden können. Die Wohnanlage ist gut mit ÖPNV erreichbar, eine Straßenbahnhaltestelle ist in unmittelbarer Nähe. Die Zufahrt zur Tiefgarage erfolgt im Haus B1, in der Verlängerung des Hagedornplatzes und bietet Platz für 180 Stellplätze. darüber hinaus sind im UG 130 Fahrradstellplätze und 150 Abstellräume untergebracht, sowie Technikräume. Den einzelnen Häusern zugeordnet befinden sich oberirdisch weitere 82 Fahrradabstellplätze. Die Müllräume sind zwischen den Häusern A1 und A2, A2 und A3 sowie im Haus B1 neben der Tiefgarageneinfahrt untergebracht.

 

Datum

Juni 2018

Auftraggeber

Projektbeteiligte

Gemeinsam mit Pretterhofer Arquitectos
Rendering: Tobias Colz

BWM Team

Massimiliano Marian